Was ist vom Blockchain-Hype übrig?

Neue Technologien, vor allem wenn sie das Potenzial zur Disruption haben, erregen erst einmal viel Aufsehen. Autonomes Fahren ist hier ein Beispiel. Zumindest in meiner persönlichen Wahrnehmung erfuhr das Thema in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts viel Aufmerksamkeit, zuletzt wurde es dann allerdings eher still. Eine Veranschaulichung dieses Vorgangs liefert das Gartners Research’s Hype Cycle Diagram:

Quelle: Gartner, Autor: Jeremy Kemp

Neue Technologien erleben zuerst eine Phase der Begeisterung und des Hypes, bevor eine Art Ernüchterung einsetzt, nach der schließlich eine objektive Sicht auf das Thema folgt. Genauso ist es, oder war es, mit der Blockchain. Wo genau sich diese Technologie mittlerweile befindet, wollen wir in diesem Artikel einmal näher betrachten.

Zuerst einmal, was genau ist eine Blockchain und wie funkioniert das Ganze? Was man vorwegsagen kann, es gibt nicht die eine Blockchain. Wie der Name unschwer vermuten lässt und wie viele sicher bereits wissen, besteht das ganze Konstrukt aus Blöcken. Diese Blöcke beinhalten Transaktionsdaten und einen Hash, eine Zeichenfolge fester Länge, der mitunter sehr kryptisch aussehen kann. Die Ermittlung dieses Hashs wird nun durch Validatoren durchgeführt, im Zusammenhang mit Bitcoin sind dies die allseits bekannten Miner. Zur Ermittlung des Wertes müssen die Validatoren Rechenleistung aufwenden. Ist für einen Block ein Hash gefunden, so wird dieser an alle anderen Knoten, die anderen Teilnehmer der Blockchain, verteilt, welche den Hash bestätigen, indem sie ihn für die Ermittlung des Folgehashs des nächsten Blocks verwenden. Da die Blöcke auf diese Weise miteinander verknüpft sind, gilt die Blockchain als manipulationssicher. Es wird immer die längste Kette an Blöcken als die Korrekte anerkannt und auf diese Weise müsste ein Angreifer alle Hashes der Kette neu berechnen, wofür der komplette Rechenaufwand wiederholt werden müsste. Da die Blöcke auf allen Knoten verteilt und durch diese bestätigt werden, entfällt eine zentrale Instanz und jeder Knoten hält die Historie aller Transaktionen. Das verleiht einer Blockchain ihren dezentralen Charakter.

Was hat das aber mit Bitcoin zu tun?

Bitcoin gab im Jahr 2008 den Anstoß für die Blockchain. Ein Mann oder eine Frau unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ veröffentlichte damals ein Whitepaper und definierte dort die Grundzüge der elektronischen Münzen und das Funktionsprinzip der Blockchain. An dieser Stelle sei allerdings erwähnt, dass es bereits in den 90ern Arbeiten zu den Themen kryptografische Verkettung und dezentralisierte digitale Währungen gab. Wer sich Nakamotos Ausführungen ansehen möchte, der wird hier fündig.

In seinem Paper beschreibt er einen Coin als Kette aus Hashes. Eine Transaktion benutzt dabei den Hash der vorhergegangenen Transaktion und den öffentlichen Schlüssel des nächsten Besitzers.

Einen öffentlichen Schlüssel muss man sich hier als eine Art Algorithmus vorstellen, der einer Person zugeordnet, aber prinzipiell jedem zugänglich ist. Sein Zweck ist es, die Echtheit einer Information zu bestätigen, welche mithilfe des privaten Schlüssels der Person verschlüsselt wurde.

Als Motivation zu Bitcoin nennt Nakamoto die Notwendigkeit von Finanzintermediären beim herkömmlichen Handel im Internet, sowie die Tatsache, dass solche Transaktionen nicht unumkehrbar sind, sodass die Partner, zwischen denen der Handel stattfindet, ein größeres gegenseitiges Vertrauen aufbringen müssen.

Mittlerweile bietet die Welt der Blockchains aber nicht mehr nur digitale Währungen an, die nächste Stufe bilden intelligente Verträge, sogenannte Smart Contracts.

Diese elektronischen Verträge bilden Vereinbarungen zweier Handelspartner digital ab, aber auch Lieferketten sind ein Anwendungsfall. In diesem Zusammenhang tauchen dApps auf, dezentrale Apps, welche Anwendungen auf der Blockchain, besser gesagt den Nodes der Teilnehmer, ausführen. Eine Art der dApps sind nun eben besagte Smart Contracts. Sie bilden die Details eines Vertrages in ihrem Code ab und bedienen sich den Vorteilen der Blockchaintechnologie. Mit ihnen durchgeführte Transaktionen, im Sinne von Geschäftsabwicklungen, sollen transparent, irreversibel und nachvollziehbar sein. Obwohl die Smart Contracts grundsätzlich auf jeder Blockchain ausführbar sind, haben sie zuletzt durch die Ethereum-Blockchain größere Aufmerksamkeit erlangt.

Der allerneuste Hype im Zusammenhang mit der Blockchain sind allerdings NFTs, Non Fungible Tokens, zu deutsch: nicht austauschbarer Token. NFTs sind eindeutig, können also nicht repliziert werden und bilden digitale Güter ab. Diese Tokens zeigen den Besitz des digitalen Werks an und wurden zuletzt besonders für digitale Kunst, wie Musik oder andere Einzelgegenstände verwendet. Mittels NFTs wurden bisher einige interessante Objekte verkauft, wie zum Beispiel Jack Dorseys erster Tweet auf Twitter oder Fußballsammelkarten, die von den Vereinen der Spieler erstellt wurden. Der Preis pro Karte? Gut und gerne einige tausend Euro im fünfstelligen Bereich. Wer allerdings aufmerksamer Leser der t3n ist, der wird wohl diesen Beitrag nicht verpasst haben. Der Markt für NFT hat sich mittlerweile deutlich abgekühlt, das Interesse scheint zu schwinden. Zuletzt ist der Umsatz um 90% im Vergleich zu Anfang Mai zurückgegangen.

Wo stehen wir also nun? Auf der einen Seite gibt es Hypes wie NFT, auf der anderen Seite Befürworter der These, dass Kryptowährungen gekommen sind, um zu bleiben, und mit ihnen die Blockchains. Wirft man einen Blick auf Google Trends, so werden wir an das eingangs gezeigten Chart erinnert:

Es scheint so, als würde sich die Spreu vom Weizen trennen, zumindest wenn man dem Interesse der Menschen an diesem Thema glaubt. Kritiker dagegen behaupten, Blockchains hätten bisher kein wirkliches Problem gelöst und trügen nur dazu bei, den Klimawandel zu befeuern. Das Problem ist, es wird dort am meisten geschürft, wo der Strom billig ist, und das ist leider unter anderem in China, wo dieser immer noch hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 70% aller Miner in China ansässig sind und allein dort bis 2024 einen Stromverbrauch pro Jahr erzeugen, welcher den einzelner europäischer Länder in den Schatten stellt. Der Grund ist die Erzeugung des Hashs mittels Proof of Work, dem Verfahren, das wir weiter oben vorgestellt haben. Die Berechnungen pro CPU sind leider sehr energieintensiv, Alternativen sind aber bereits da, dass sogenannte Proof of Stake Verfahren.

Wie bei vielen neuartigen Dingen gibt es auch bei der Blockchaintechnologie Hypes und Probleme, die es zu lösen gilt. Das anhaltende Interesse, auch von Seiten der Wirtschaft, zeigt aber, dass wir uns hier in eine Phase des produktiven Arbeitens begeben.

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