Der Wert unserer Daten

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Was sind unsere Daten eigentlich wert? Glaubt man Statista, so hat beispielsweise Facebook durch Werbung auf seiner Plattform im Jahr 2020 32 Dollar Umsatz pro User erzielt.

Unternehmen wie Facebook und Google haben datenbasierte Geschäftsmodelle, monetarisiert werden die Daten durch Advertising. Das Prinzip funktioniert ganz einfach: Die gesammelten Daten geben Einblick in das Leben und die Verhaltensweisen der Nutzer und lassen somit, gestützt durch Algorithmen, Rückschlüsse auf ihre Bedürfnisse und Interessen zu. Die Daten selbst werden nicht an Dritte weiterverkauft, vielmehr bieten sie für andere Unternehmen die Platzierung von Werbung an. Durch das Wissen über die Nutzer kann diese somit sehr viel spezifischer ausgespielt werden und mögliche Zielgruppen werden besser erreicht. Wer sich im Online-Marketing auskennt, der kennt hierfür den Fachbegriff: Technisches Targeting, oder mittlerweile auch einfach Targeting genannt.

Aber wie funktioniert das genau? Wie kommen uns Facebook & Co. auf die Schliche? Zu diesem Zweck werden, vereinfacht gesagt, Tracking-Cookies verwendet. Kleine Textdateien, die nach Zustimmung durch den User in dessen Browser abgelegt werden und so seitenübergreifend Informationen über den Nutzer sammeln. Im Fall von Facebook passiert dies beispielsweise, wenn eine Website Buttons oder kleine Apps des Unternehmens implementiert. Und wer kein Facebook Konto hat, der bekommt trotzdem einen Keks verabreicht. Anonym sozusagen, aber eben trackbar.

Das ist das Prinzip für Tracking im Web, es gibt weitere Methoden, unter anderem für das Verfolgen von Nutzern mobiler Anwendungen über Appgrenzen hinaus, die Prinzipien sind sich aber durchaus ähnlich.

Wer wissen möchte, welche Daten Facebook über einen selbst hat, der kann sie sich in seinen Accounteinstellungen herunterladen:

Welche Art von Daten ist relevant?

Es können so ziemlich alle Daten relevant sein, wie wir am Beispiel Facebook gesehen haben. Alles, angefangen mit Mailadressen und dem Bildungsgrad über vergebene Likes bis hin zu online gekaufter Ware und Bewegungsdaten. Alles was hilft uns und unsere Interessen einzuordnen ist von Wert.

Dabei werden auch dort Daten gesammelt, wo man es vielleicht nicht unbedingt vermutet. Wer weiß zum Beispiel, dass sein mit dem Internet verbundener Smart TV nur allzu gern nach Hause telefoniert? Erfasst werden das Surfverhalten, verwendete Apps aber auch biometrische Daten. Mit welchem Ziel? Natürlich, personalisierte Werbung.

Und wer hört gern Musik über Spotify? Ich selbst nutze den Dienst gern, aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch dieser ein Interesse an unseren Daten hat. Erstellte Playlists, verwendete Geräte und wo und wann wir Musik hören: Gerade bei Nutzern der kostenlosen Version sind solche Daten relevant. Wieso? Na, die bekommen Werbung eingespielt…

Was Spotify für die Zukunft plant, klingt noch mehr nach Science-Fiction. Der Dienst aus Schweden arbeitet angeblich an einer Software, welche zuerst per Mikrofon mithört, unsere Stimmung analysiert und dann dementsprechend Songs vorschlägt. Wer mehr dazu wissen möchte, dem sei dieser Beitrag ans Herz gelegt.

Welchen Wert können Daten haben?

Klar, da fällt einem zuerst natürlich ein finanzieller Wert ein, der ist aber gar nicht so einfach zu bestimmen. Am Ende geht es aber natürlich um eines: Umsatz. Unsere Daten erlauben Einblicke in uns und unsere Gewohnheiten und ermöglichen personalisierte Werbung mit möglichst relevanten Inhalten.

Daten können aber auch einen anderen als nur einen wirtschaftlichen Wert haben. Zum Beispiel einen politischen, wie in China.

Die Volksrepublik führt ein Sozialkredit-System ein, welches allen Bürgern ein punktebasiertes Rating aufgrund von wünschenswertem Verhalten zuweist. Gemessen daran klingt personalisierte Werbung wie Kinderkram. Was den Anschein einer Ausgeburt der Orwell’schen Hölle hat, ist auch genau eine. Zurzeit gibt es nicht das eine System, sondern eher viele lokale Systeme und Ausprägungen, die aber durchaus miteinander verbunden sein können. Das System basiert, wer hätte es gedacht, auf Nutzerdaten. Aufnahmen von Überwachungskameras, Postings im Internet, Polizeiregister, Bankdaten, etc., die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Welche Daten genau genutzt werden, hängt jeweils vom System ab. Das zugrunde liegende Prinzip basiert darauf, den Einwohnern je nach Verhalten Punkte zu geben oder diese von ihrem Score abzuziehen. Welche Ausmaße das annimmt, lässt sich gut an Videospielen verdeutlichen: Wer online zu viel daddelt, dem werden einige Punkte abgezogen. Für einen gemeinnützigen Zweck zu spenden oder ein Kind zu erziehen gibt Pluspunkte.

Ziel ist natürlich, wünschenswertes Verhalten zu fördern und schlechtes zu bestrafen. Wer zu weit auf der Liste nach unten rutscht, der kommt auf die Badlist, wie zum Beispiel Journalisten, die über die Zensur in China berichten. Zur Folge hat dies, dass betroffene Personen keine Flugtickets kaufen, oder keinen Kredit aufnehmen können.

Wer sich nun beschwert, ich würde mich wieder zu sehr auf China einschießen: Kein Problem! Wer erinnert sich noch an Camebridge Analytica? Die Kurzversion der Geschichte ist der, wohlgemerkt illegale, Verkauf der Daten von ca. 87 Millionen Facebook Usern einer Firma namens GSR an eben jene, mittlerweile insolvente Beratungsfirma. Ziel der Aktion war die Beeinflussung des US-Wahlkampfs zugunsten von Donald Trump. Wie groß der Einfluss Cambridge Analyticas auf Trumps Wahlsieg wirklich war, ist umstritten, allerdings zahlte Facebook später eine Strafe von 5 Milliarden Dollar. Facebook hatte GSR zum Zweck eines Persönlichkeitstests Zugang zu den Nutzern gewährt und wusste angeblich nichts von der Datenweitergabe.

Man kann hier natürliche eine lustige Rechnung anstellen, gemessen an der Strafe ist demnach ein Datensatz gute 57 Dollar wert.

Haben unsere Daten auch einen Wert für unsere Gesellschaft? Ja, den haben sie, sowohl negativ als auch positiv.

Die schlimme Nachricht zuerst: Racial Profiling und Predictive Policing.

Algorithmen, die aufgrund von geografischen Daten und Verbrechensraten, aber auch durch persönliche Daten, wie Alter, Geschlecht, Familienstand und Vorbestrafungen errechnen, welche Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Straftat begehen. Auf diese Weise soll es der Polizei möglich sein einzugreifen, bevor Straftaten begangen werden. Das ist grundsätzlich ein hehres Ziel, aber der Weg zur Hölle ist bekanntlich mit guten Absichten gepflastert. Was in der Theorie vielleicht noch gut klingen mag, ist in der Praxis ein Verstärker rassistischer Tendenzen. Wie ein Artikel des MIT Technology Review beschreibt, werden Afroamerikaner mit einer fünfmal höheren Wahrscheinlichkeit ohne Grund von der Polizei kontrolliert, wie ihre weißen Mitbürger.

Aber es gibt auch Licht am Ende des Tunnels, beispielsweise hilft ein Blick in die Medizin. Google möchte Ärzten ein Tool an die Hand geben um Lungenkrebs effizienter entdecken und sogar vorhersagen zu können. Eine Künstliche Intelligenz, trainiert mit Scans aus Computertomografen, erkennt mit einer Korrektheit von 94%, ob ein Patient Lungenkrebs hat oder innerhalb eines Jahres haben wird. Auch die Region der Lunge, in der der Krebs auftritt, wird erkannt. Patientendaten sind sensibel, keine Frage, aber hier kann ein durchaus positiver Beitrag geleistet werden.

Und als hätten sie geahnt, dass ich diesen Artikel schreibe: Google hat die Tage angekündigt, ab nächstem Jahr keine Tracking-Cookies mehr zu verwenden. Da Google aber kaum auf die Werbeeinnahmen verzichten kann, soll bereits dieses Jahr partiell eine neue Technik ausgerollt werden, die ähnlich gute personalisierte Werbung zulässt, die Privatsphäre der Nutzer aber besser schützen soll. Wer mehr erfahren möchte, bedient sich bei t3n.

Es gibt auch noch weitere Bestrebungen, dass Internet in Bezug auf Nutzerdaten zu dezentralisieren. Ein Projekt des WWW-Erfinders Tim Berners-Lee möchte den Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben und arbeitet mit seinen Projekten SOLID und Inrupt daran. Gespeichert werden diese in sogenannten PODs, Personal Online Data Stores. Die Idee dahinter ist, dass über sie der Nutzer den Zugriff auf seine Daten steuern kann, diese aber im POD verbleiben, anstatt weitergegeben zu werden. Ob und inwieweit diese Technik die Datensammelei des Internets verändern wird, bleibt abzuwarten. Erste Pilotprojekte sind bereits gestartet.

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