Was ist eigentlich… Digitalisierung? [1/3]

Moin!

Wer meinen ersten Artikel über die Corona-Warn-App gelesen hat, der weiß, dass eigentlich ein anderes Thema als, sagen wir mal, inhaltstechnischer Urknall meines Blogs gedacht war. Das soll natürlich nachgeholt werden und daher gibt es nun den ersten Teil einer Serie zu „DEM” Thema überhaupt, also darüber, was gerade eh alle machen und worüber alle reden, und bei dem man dann allzu oft doch nicht so ganz genau weiß, was denn nun eigentlich gemeint ist. Zumindest geht es mir so.

Die Serie dreht sich also um, na klar, die Digitalisierung.

Zugegeben: Ich persönlich finde den Begriff ziemlich schwammig, versteht doch gefühlt jeder ein bisschen was anderes darunter. Außerdem, auf was genau bezieht sich der Begriff und was bedeutet das jetzt eigentlich, wenn wir alle “digital” werden?

Versuchen wir uns mal an so etwas wie einer Definition. Irgendwo habe ich mal den Satz gehört „In der digitalen Transformation wird alles zu Software, was zu Software werden kann“. Heißt das nun, dass die Digitalisierung lediglich analoge Prozesse in Software verpackt?

Natürlich nicht. Allerdings steckt in diesem Satz mehr als nur ein Stück Wahrheit. Maßgeblich durch Fortschritte in der Informationstechnologie bezüglich der Rechenleistung und der Speicherkapazität von Computersystemen, aber auch durch Verbesserungen in der zugrunde liegenden Infrastruktur verursacht, können heute mehr und mehr Aufgaben durch und mit Softwareanwendungen erledigt werden. Angefangen mit der Urlaubsbuchung über digitale Medien und Onlineshopping (wer kennt noch den Otto Katalog?) bis hin zur Ressourcenplanung großer Unternehmen und der Berechnung naturwissenschaftlicher Probleme durchdringt Software den Alltag. 

Darüber hinaus werden aber auch völlig neue Geschäftsmodelle erschlossen, die vor dem Beginn der digitalen Transformation so gar nicht denkbar oder möglich gewesen wären. Social Media, das Internet der Dinge, Smartphones, oder Streamingdienste bilden hier nur ein paar wenige Beispiele.

Recherchiert man zu diesem Thema, so landet man schnell bei einem Vergleich der digitalen mit der industriellen Revolution. Nicht wenige glauben, dass die digitale Transformation einen ähnlichen Umbruch unserer Gesellschaft hervorrufen wird, manche sprechen sogar vom Begriff der “Computerisierung”. Eng damit verbunden ist die Disruption, welche mit den neuen Geschäftsmodellen einhergehen. Als beliebtes Beispiel wird hier gerne Kodak erwähnt. Kodak erlebte eine schwere Krise als Analogfilme neuen digitalen Produkten weichen mussten. Wenn man es verkürzt sagen möchte: früher war Kodak, dann kam Instagram. Das stimmt natürlich so nicht, zeigt aber ganz anschaulich, welche Veränderungen durch die Digitalisierung hervorgerufen werden.

Die Digitalisierung an sich ist dabei älter als man glauben mag. Wenn man so etwas wie einen Beginn des Ganzen ausmachen möchte, dann findet man sich schnell bei den Anfängen der Computertechnik wieder: Die Erfindung des Mikrochips durch Jack Kilby fand im Jahr 1958 statt! Die digitale Transformation ist also eigentlich sehr viel älter als man es sich normalerweise bewusst macht, allerdings benutzte in den 50ern wohl noch niemand den Begriff Digitalisierung.

Im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die Entwicklung dann durch die Verbreitung von Computern sowohl im Consumer- als auch im Businessbereich und durch den Einsatz von Software ihren Lauf. 

Ein weiterer großer Meilenstein war die Entwicklung des World Wide Web durch Tim Berners Lee in 89. Das WWW verhalf dem damals bereits existierenden Internet zum Durchbruch, in dem die entwickelten Protokolle und später die zugehörigen Webbrowser die zugrunde liegende Technologie auf breiter Front für Jedermann nutzbar machten. Die Entwicklung des Internets ermöglichte eine bis dato völlig neue Art der Kommunikation und des Datenaustausches.

Was ist nun also digital? Wir leben längst in einer digitalen Welt, wer E-Mails schreibt ist bereits “digital”. Die Frage ist also weniger ob, sondern eher zu welchem Grad die Digitalisierung eines Bereiches fortgeschritten ist. Oder um es in Anlehnung an einen t3n-Artikel zu formulieren: Schreibt man noch E-Mails oder nutzt man bereits Slack oder MS Teams zur Kommunikation. Was an dieser Stelle klar wird: Digitalisierung ist kein Prozess, dessen Beginn und Ende eindeutig markiert sind. Technologischer Fortschritt ist kontinuierlich und somit auch die digitale Transformation an sich. 

Wenn wir heute von Digitalisierung reden, dann meinen wir im Grunde die Nutzung neuer Möglichkeiten durch Fortschritte in der Informationstechnik (warum dieser Satz ein wenig zu kurz gegriffen ist, soll gerne in einem späteren Beitrag der Serie verdeutlicht werden).

Geht man in die Cloud, nutzt man neue Kommunikationskanäle, ersetzt man die nie wirklich lieb gewonnene Exceltabelle durch eine funktionierende Analytics-Lösung oder digitalisiert man das eigene Produkt? Das sind die Anwendungsfälle, um die es sich auf der einen Seite dreht; welche Prozesse ich also durch eine digitale Transformation optimieren oder erneuern kann.

Auf der anderen stehen dann ganz neue Möglichkeiten: Welches Produkt kann ich anbieten, jetzt wo ich meine Kunden über digitale Kanäle erreiche? Welchen Mehrwert kann mir Software bieten oder welchen Mehrwert kann ich durch Software schaffen? Welche neuen Geschäftsmodelle erschließen sich mir und wie kann ich neue Technologien wie KI, Blockchain & Co. verwenden?

Wie bereits gesagt, ein großer Treiber ist der technologische Fortschritt und gerade dieser verhalf in den letzten Jahren der digitalen Transformation zu mehreren Sprüngen.

Nun, da die nötige Infrastruktur und die Rechenkapazität zur Verfügung stehen, konnte man Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz verzeichnen, welche maßgeblich auf die Verarbeitung großer Datenmengen angewiesen ist. Wer hat schon vor 10 Jahren über das neueste KI-Startup diskutiert?

Neue Geschäftsmodelle und Anwendungsfälle eröffnen sich aber auch in anderen Bereichen wie der Robotik, dem Internet der Dinge oder im Gesundheitsbereich, um nur ein paar zu nennen.

Das ist natürlich alles sehr durch eine wirtschaftliche Sichtweise betrachtet. Digitalisierung umfasst aber viel mehr. Unser Leben wird maßgeblich durch digitale Angebote beeinflusst. Wer früher noch zur Bibliothek rannte, kann sich Informationen nun per Fingertipp auf das eigene Smartphone laden. Apps organisieren unseren Tag, helfen uns die nächste Fremdsprache zu erlernen und Kommunikation funktioniert nun in Sekundenbruchteilen um den gesamten Globus herum, sucht man nicht gerade Funklöcher für die Bundesnetzagentur.

Was können wir nun als Zwischenfazit verbuchen? Zusammengefasst drei Dinge:

  • Erstens: Digitalisierung ist sehr viel älter, als wir uns bewusst machen. Ihre Anfänge finden sich bereits in der Mitte des letzten Jahrhunderts!
  • Zweitens: die digitale Transformation ist ein kontinuierlicher, nicht in sich selbst abgeschlossener Prozess, welcher maßgeblich auf dem Fortschritt der Informationstechnologie fußt. Einerseits optimiert und verändert er bestehendes durch digitale Komponenten, wie beispielsweise Software. Andererseits eröffnet er völlig neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle.
  • Drittens und letztens: Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche. Sie ist disruptiv und hat das Potenzial unsere Welt nachhaltig und kontinuierlich zu verändern.

Das soll’s erstmal als kleine Einleitung gewesen sein. In den folgenden Beiträgen geht’s dann um die sowohl positiven wie negativen Auswirkungen der Digitalisierung und um die Frage, inwieweit der Grad der Digitalisierung eigentlich messbar gemacht werden kann.

Bis dahin!

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